Das Abschiednehmen des geliebten Hundes - ein Prozess

Im Laufe unseres Lebens dürfen wir immer wieder aufs Neue lernen loszulassen. Manchmal ist es leicht, manchmal schier unmöglich. Viele von uns wünschen sich eine allgemein anerkannte Formel, einen altbewährten Ablauf oder ein Patentrezept – doch so etwas gibt es nicht. Auch nicht beim Abschied unseres geliebten Hundes. Nur eines wissen wir mit Sicherheit: Je schmerzhafter das Verlustgefühl in uns tobt, desto grösser war die Liebe zu unserem Hund.

 

Es liegt in der Natur des Menschen, dass wir die Themen Tod und Verlust nicht näher betrachten möchten. Doch sind sie unausweichlich mit dem Leben verknüpft. So kommen wir Hundebesitzer irgendwann an einen Punkt, an dem wir uns der Wahrheit stellen müssen, an dem wir vielleicht eine Entscheidung treffen müssen.

 

Der Zeitpunkt des Abschiednehmens ist gekommen

Besonders traumatisch empfinden wir es, wenn unser Hundeliebling ganz plötzlich und unerwartet verstirbt. Sei es durch einen Unfall oder eine Krankheit, derer wir uns gar nicht bewusst waren. Ein solches Ableben geht fast immer mit enormen Schuldgefühlen einher. „Hätte ich doch bloss …“, ist als vorherrschendes Denkmuster sehr häufig und wird erst abgelöst, wenn wir das Geschehene akzeptieren.

Einem plötzlichen Verlust gegenüber steht die schwerste Entscheidung, derer wir uns wohl stellen können: die bewusste Einleitung einer Euthanasie unseres geliebten Hundes.

Das Einschläfern bietet unserem Hund ein schmerzfreies und würdevolles Ableben. Nur jene von uns, deren Liebe grösser ist als das Ego, finden die Kraft dieses Urteil zu fällen. Natürlich möchten wir noch mehr Zeit mit unserem Hund verbringen, doch wenn er unter starken Schmerzen leidet, körperlich sehr eingeschränkt ist und keine Lebensfreude mehr zeigt, sollten wir den Rat unseres Tierarztes suchen. Als Fachperson kann er uns die medizinischen Möglichkeiten aufzeigen und diese mit dem Wohl unseres Hundes in Einklang bringen.

 

Das Schlimmste ist vorbei

Hat unser Hund schliesslich seinen letzten Atemzug getan, verbleibt seine Hülle in unserer Obhut. Dann ist es ratsam, innert ein bis zwei Stunden das weitere Vorgehen zu bestimmen. In der Schweiz stehen uns nun einige Möglichkeiten zur Verfügung.

Zuhause beerdigen

Das Beerdigen von Tieren auf eigenem Boden ist bis zu einem Körpergewicht von 10 kg erlaubt. Dabei darf das Grab nicht in der Nähe eines Grundwasserspiegels liegen und sollte eine Mindesttiefe von 1.2 m haben. Der Hundekörper kann in einer unbehandelten Holzbox oder in einem Karton begraben werden.

Tierkrematorium

Es gibt einige Tierkrematorien, die in weniger als einer Stunde Fahrzeit erreichbar sind. Das Krematorium unserer Wahl holt unseren verstorbenen Liebling beim Tierarzt oder bei uns zuhause ab. Wir haben zudem die Möglichkeit, unseren hündischen Freund persönlich zu überbringen und uns im Krematorium ein letztes Mal zu verabschieden. Sofern wir es wünschen, können wir uns eine schöne Urne aussuchen, in welche die Kremationsasche eingefüllt wird.

Tierfriedhof

Leider gibt es in der Schweiz nur sehr wenige Tierfriedhöfe. Im deutschsprachigen Raum steht der Tierfriedhof am Wiesenberg in Läufelfingen Basel und der Tierfriedhof Tierhimmel in Emmenbrücke Luzern zur Auswahl. Allein dort ist eine Tierbestattung von über 10 kg Körpergewicht zulässig.

Waldbestattung

Das Verstreuen oder Begraben von Kremationsasche ist streng genommen nur auf eigenem Grund erlaubt. Einige Bauern stellen Waldabschnitte zur Verfügung, wo die Kremationsasche an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt werden darf.

Kadaversammelstelle

Jeder Gemeinde ist eine zentrale Sammelstelle für Tierkadaver zugewiesen. Die Überführung des Hundekörpers obliegt dem Tierarzt oder uns Besitzern. In den Sammelstellen werden verstorbene Heim- und Nutztiere, Fallwild und Fleischabfälle aller Art entsorgt.

Für welche Lösung wir uns letztendlich entscheiden, hängt mitunter auch von den finanziellen Möglichkeiten ab. Nebst der Beerdigung auf eigenem Grund und Boden ist nämlich nur die Sammelstelle kostenfrei.

 

Ideen um das Abschiednehmen zu erleichtern

Egal, welche der obigen Möglichkeiten wir wählen, wir werden unserem Hundeliebling ein letztes Mal Adieu sagen. Und um den Abschied etwas zu erleichtern, dürfen wir sehr kreativ werden. Das kann in Form eines Briefes, Bildes oder eines Blumenkranzes geschehen, den wir unserem hündischen Freund mit auf den letzten Weg geben. Beim Abschiednehmen unseres Hundelieblings dürfen wir all unseren Gefühlen freien Lauf lassen.

Wird unser Hund in einem Tierkrematorium kremiert, können wir ihm auch sein Lieblingsspielzeug, Kuscheltier oder Deckchen mitgeben. Da der Hundekörper im Krematorium fachgerecht gelagert wird, besteht für uns kein Zeitdruck mehr. Erinnerungsstücke und Urnen können in Ruhe ausgesucht werden. Wir haben die Möglichkeit beim Beginn der Verbrennung anwesend zu sein oder im Krematorium zu warten, bis der Prozess vorüber ist.

Zuhause angekommen, können wir eine Kerze anzünden oder einen Stern im Himmel aussuchen, der symbolisch für unseren geliebten Hund steht.

Wer die Asche verstreuen möchte, kann dies mit einem kleinen Ritual im Garten tun. Auch eine sehr schöne Option ist das Mischen der Asche mit Pflanzenerde, um darin einen Rosenstock oder einen Baum einzusetzen. Es gibt wirklich unzählige Arten, wie wir unserem verschiedenen Freund die letzte Ehre erweisen können.

 

Was nach dem Abschied unseres Hundes noch kommt

Verstirbt unser Hund nicht in Anwesenheit eines Tierarztes, obliegt es an uns, die Abmeldung bei der Registrierungsdatenbank „Amicus.ch“ vorzunehmen. Auch allfällige Haustierversicherungen sollten innert weniger Tage kontaktiert werden. Danach ist alles, was von unserem Hundefreund noch übrigbleibt, ein klaffendes Loch im Herzen und viele Hundeutensilien wie Bettchen, Spielzeuge, Näpfe und Leinen. Sobald wir uns in der Lage dazu fühlen, können wir diese an Tierheime oder Hilfsorganisationen spenden – oder an liebe Hundefreunde verschenken.

Während der ersten Tage und Wochen werden wir stetig mit dem erlittenen Verlust unseres Hundes konfrontiert werden. Die Alltagsstruktur beizubehalten und nur langsam an den neuen Begebenheiten anzupassen, kann helfen, nicht gänzlich aus der Bahn geworfen zu werden.

Ist ein Spaziergang allein zu schmerzhaft, können wir die freie Zeit mit neuen Ritualen füllen. Eine Tasse Tee, ein gutes Buch oder Gymnastikübungen – alles, was uns einfällt und sich richtig anfühlt, ist erlaubt. Sind noch weitere Haustiere, insbesondere Hunde involviert, dürfen wir nicht vergessen, dass diese unter Umständen auch trauern. Wir sollten also darauf achten, deren Alltag einzuhalten und so wenig wie möglich zu verändern.

Sind Kinder involviert, ist eine offene und ehrliche Kommunikation gefragt.

Je nach Alter und Charakter des Kindes sollten wir gewisse Aussagen vermeiden. Zu sagen, dass der geliebte Hund für immer eingeschlafen ist, kann beispielsweise die Angst vor dem Schlafengehen hervorbringen.

Manchen Kindern scheint der Verlust ihres hündischen Gefährten wenig auszumachen, andere weinen tagelang. Das Verhalten des Kindes kann eine zusätzliche Belastung für uns sein, wo wir doch selbst eine schwierige Zeit durchleben. Gemeinsam ein themenbezogenes Kinderbuch zu lesen, kann sowohl uns als auch unserem Kind bei der Trauerverarbeitung helfen.

 

Einen geduldigen und liebevollen Umgang mit der eigenen Trauer finden

Jeder Mensch ist anders und geht entsprechend einzigartig mit Verlusten um. Manche suchen die Ruhe in der Natur, andere stürzen sich ins Nachtleben. Niemand kann uns sagen, welche Strategie wirklich hilfreich für uns persönlich ist. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir in uns hineinhören und geduldig und liebevoll mit unserer Trauer umgehen.

Es wird Situationen oder Tage geben, in denen wir den Verlust unseres Hundes so präsent wie am ersten Tag spüren. Das ist völlig normal und gehört zum Prozess des Loslassens dazu. 

Mit viel Zeit wird das Erinnern an die wunderschönen Momente, die wir mit unserem Freund geteilt haben, kein unbändiges Leid mehr hervorrufen, sondern eine melancholische Dankbarkeit und Freude.

Sollte sich nach mehreren Monaten keine Besserung der Gefühlslage einstellen, sind Gespräche mit einer Fachperson empfehlenswert. Therapeuten und Trauerbegleiter können uns bei der Verarbeitung helfen und finden gemeinsam mit uns neue Strategien zur Traumabewältigung. Als sehr erfolgreich gelten Gruppentherapien, die von psychiatrischen Kliniken angeboten werden. Als zusätzliche Alternative bietet sich eine Tierkommunikation an.

 

Wir können das, was wir lieben, nicht festhalten

Wir können das, was wir lieben, nicht festhalten. Wir können es zwar versuchen, daran ist absolut nichts Falsches, doch früher oder später werden wir scheitern. Alles, was wir tun können, ist die Liebe weiterhin in unserem Herzen zu tragen. Denn wie bereits Johann Wolfgang von Goethe gesagt hat:

„Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren.“

 

Dieser Fachbeitrag wurde geschrieben von Caroline Bicker von "Dicentra AG". Hundeherzlichen Dank!
Veröffentlicht am 25. November 2023. 

 

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Autoren

Caroline Bicker
Werbeverantwortliche & Aussendienst

Dicentra AG

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