Kantonale Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit

Viele einheimische Wildtiere pflanzen sich in den Frühlingsmonaten fort. Während dieser „Brut- und Setzzeit“ werden Hundehaltende in einigen Kantonen dazu verpflichtet, ihre Hunde im Wald an der Leine zu führen. Wir bitten alle Hundehaltende dafür zu sorgen, dass ihre Hunde die Wildtiere weder stören noch jagen - unabhängig davon, ob in ihrem Kanton eine entsprechende Leinenpflicht besteht.

Die generelle Leinenpflicht ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich ausgestaltet.

In den Frühlingsmonaten, in denen viele Wildtiere setzen und brüten, sehen manche Kantone zum Schutz des Wildes strenge Vorschriften für das Ausführen von Hunden im Wald vor.

 

Jeder Kanton setzt die Leinenpflicht für die Brut- und Setzzeit selber fest

Jeder Kanton verfügt über eine eigenständige Regelung betreffend Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit. Entsprechende Regelungen finden sich - je nach Kanton -  sowohl in kantonalen Jagd- und Hundegesetzen als auch in den dazugehörigen Verordnungen.

Kantone haben die Möglichkeit, gewisse Bestimmungen betreffend Hundehaltung den einzelnen Gemeinden zu überlassen. Es gilt daher, sich bei der jeweiligen Gemeinde zusätzlich über das kommunale Recht zu informieren und örtliche Beschilderungen zu befolgen. Einen Überblick über die hunderelevanten Bestimmungen der verschiedenen Kantone finden Sie hier.

Im Folgenden erläutern wir gerne einige Beispiele zur Leinenpflicht in den einzelnen Kantonen:

Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Solothurn, Luzern

So müssen beispielsweise in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Solothurn und Luzern Hunde vom 1. April bis zum 31. Juli in Wäldern und an Waldrändern an der Leine geführt werden.
 

Fuchs Familie im Wald

Kantone Freiburg, Neuenburg, Genf, Schaffhausen & Waadt

Freiburg, Neuenburg, Schaffhausen, Genf und Waadt sehen für die Leinenpflicht eine etwas kürzere Zeitspanne vor.

Während in den Wäldern von Schaffhausen und Neuenburg Hunde vom 15. April bis zum 30. Juni an der Leine geführt werden müssen, gilt entsprechende Pflicht in Freiburg, Genf & Waadt vom 1. April bis zum 15. Juli.

In Schaffhausen gilt die Leinenpflicht zudem in unmittelbarer Waldnähe und im Kanton Waadt zusätzlich auch auf angrenzenden Wiesen.

Kanton Glarus

In Glarus sind Hunde in den Wäldern und am Waldrand sogar das ganze Jahr über anzuleinen, wobei Jagd- und Gebrauchshunde von dieser Regelung ausgenommen sind.

Kantone Ob- & Nidwalden

In Ob- und Nidwalden gilt in den Wildruhegebieten vom 1. beziehungsweise 15. Dezember bis zum 30. April eine generelle Leinenpflicht, die sich in manchen Gebieten bis in die Sommermonate erstreckt.

In Nidwalden sind die Hunde in den Wildruhegebieten Lauelenegg-Nätschen, Arven-Scheligsee und Scheidegg bis am 15. Juni und und im Wildruhegebiet Trübsee/Alpelen vom 1. November bis 15. Mai an der Leine zu führen.

In Obwalden gilt die Leinenpflicht in den Gebieten Schlierengrat, Nüwenalpwald, Schattenberg, Rosalp/Gerlisalp/Gemsgrube, Bärengraben, Teufimatt und Ross-/Dälenboden bis am 15. Juli.

Kanton Zürich

Keine generelle, sondern eine auf einzelne ausgeschilderte Gebiete beschränkte Leinenpflicht kennt der Kanton Zürich. Hier gilt zudem, dass Hunde in Wäldern und an Waldrändern sowie bei Dunkelheit im Freien in Sichtweite auf kurzer Distanz zu halten sind und jederzeit abrufbar sein müssen.

 

Gibt es Vorschriften in Bezug auf die Leine?

Da die Gesetze auf das Wohl der Wildtiere ausgerichtet sind, spielt die Länge oder Art der Leine keine Rolle.

Auch die Verwendung einer langen Schlepp- oder Flexileine ist zulässig, solange der Hundehalter diese festhält und den Hund damit kontrollieren kann.

Auf diese Art und Weise kann den Hunden trotz Leinenpflicht ein gewisser Bewegungsfreiraum gewährt werden.

Wichtig:

Lange Leinen (Bsp. Schlepp- oder Flexileinen) sollten aus gesundheitlichen Gründen nur an einem gut sitzenden Brustgeschirr und niemals an einem Halsband befestigt werden.

 

 

Was passiert, wenn ich mich nicht an die Leinenpflicht halte?

Hund trägt Hasen

Der Verstoss gegen die gesetzlich auferlegten Leinenpflichten stellt eine strafrechtliche Übertretung dar, die mit einer Busse bestraft wird - und zwar unabhängig davon, ob der Hund tatsächlich gejagt oder gewildert hat.

Beisst ein Hund ein Reh oder ein anderes Tier, müssen die betreffenden Hundehaltenden ausserdem für den durch ihren Hund verursachten Wildschaden aufkommen.

Haben sie fahrlässig gehandelt - beispielsweise weil ein mehrfach auffälliger, notorisch jagender Hund in wildreichen Gebieten nicht an der Leine geführt wurde, kommt unter Umständen eine Bestrafung wegen fahrlässiger Tierquälerei in Betracht.

 

Kann mein Hund abgeschossen werden, wenn er beim Wildern erwischt wird?

Wird ein Hund beim Jagen oder Wildern erwischt, sehen fast alle Kantone die Möglichkeit vor, dass dieser durch den Jagdvorsteher oder eine andere Person abgeschossen werden kann.

So können etwa Hunde, die im Kanton Zürich wiederholt beim Wildern angetroffen werden, sofort durch Jagdpächter oder andere berechtigte Personen abgeschossen werden, sofern der Halter schriftlich ermahnt wurde. Solche oder ähnliche Bestimmungen existieren auch in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Freiburg, Nidwalden, Obwalden, Schaffhausen, Schwyz, St. Gallen, Solothurn, Thurgau und Uri.

In den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, Basel-Stadt, Bern, Genf, Glarus, Graubünden, Jura, Luzern, Wallis und Zug ist nicht einmal eine vorgängige Verwarnung der Halter notwendig. Immerhin ist in einigen dieser Kantone zunächst ein Einfangversuch vorgeschrieben.

In den Kantonen Neuenburg, Waadt und Tessin ist die Tötung auch bei streunenden Hunden erlaubt, sofern das Einfangen nicht möglich ist.
 

 

Warum ist es problematisch, wenn mein Hund Wild jagt?

Viele Hundehaltende verstehen nicht, warum es problematisch ist, wenn ihre Hunde einem Reh oder anderem Wild nachstellen - schliesslich würden die Tiere oftmals nicht verletzt und es würden viel mehr Rehe von Jägern geschossen als von Hunden gerissen.

Reh & Rehkitz

Dabei unterschätzen sie jedoch, was für ein enormer Stress die Hetzjagd durch einen Hund für die Wildtiere bedeutet.

Gerade im Frühjahr sind die Tiere nach den langen, anstrengenden Wintermonaten geschwächt. Hinzu kommen in der Brut- und Setzzeit die Jungtiere, die für jagende Hunde eine leichte Beute darstellen.

Auch wenn die Hunde nicht zubeissen, kann es bei den gehetzten Tieren zu einem Herzstillstand oder einem Abort kommen.

Ausserdem besteht die Gefahr, dass die Wildtiere (und allenfalls auch der Hund) in einen Zaun oder auf die Strasse laufen oder dass Jungtiere von ihren Müttern getrennt werden.

 

Meldepflicht bei Vorfällen?

Wird ein Wildtier tatsächlich durch einen Hund gebissen, erleidet es in der Regel einen langsamen qualvollen Tod, weil unsere Haushunde meist nicht an die Gurgel gehen, sondern die Tiere „nur“ verletzen.

Kommt es zu einem Vorfall mit einem Wildtier, so sind die betreffenden Hundehaltenden aus tierschutzrechtlicher Sicht verpflichtet, diesen den Jagdbehörden zu melden, damit das Tier gesucht und von seinem Leiden erlöst werden kann. Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, macht sich unter Umständen wegen fahrlässiger Tierquälerei strafbar.

 

Grosse Bitte an alle Hundehaltenden

Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) und Hundeherz.ch appellieren an alle Hundehaltenden, sämtliche notwendigen Massnahmen zu treffen, um zu verhindern, dass ihre Hunde Wildtiere jagen oder anderweitig stören - selbst, wenn keine kantonale Leinenpflicht besteht.

Es ist nicht nur im Wald grosse Vorsicht zu bieten, sondern auch in dessen Nähe und vor allem in Wiesen mit hohem Gras, da viele Wildtiere ihre Jungen gerne dort verstecken!

Jeder Hund ist ein potenzieller Jäger - unabhängig von seiner Grösse und seinem Alter.

Auch aus hundeerzieherischer Sicht ist es ratsam, das selbstbelohnende Jagdverhalten mit sehr hohem „Sucht-Potential“ gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Hase versteckt sich im hohen Gras

 

 

Dieser Beitrag wurde von Nora Flückiger von der Stiftung für das Tier im Recht (TIR) geschrieben. Hundeherzlichen Dank!

Geschrieben 2016, zuletzt aktualisiert im März 2021.

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Autoren

MLaw Nora Flückiger
Rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin

Stiftung für das Tier im Recht (TIR)

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Bianca Körner - Stiftung für das Tier im Recht

Mag. iur. Bianca Körner
Rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin

Stiftung für das Tier im Recht (TIR)

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