Vorsicht: Der illegale Welpenhandel boomt!

Der illegale Handel mit Tieren hat in den vergangenen Jahren leider trotz diverser Kampagnen und Aufklärungsarbeiten zugenommen. Welpen sind von diesem Geschäft besonders betroffen. Immer wieder finden die Händler dankbare Abnehmer. Doch diese wissen in der Regel nicht, worauf sie sich dabei einlassen.

Was versteht man unter illegalem Welpenhandel?

Abertausende Hundewelpen werden jährlich aus Profitgier von Welpenhändlern aus Polen, Tschechien, Ungarn und Rumänien quer durch Europa gekarrt und in Ländern wie der Schweiz, Deutschland oder Österreich verkauft.

illegale Welpen in einem viel zu kleinen Gitterkäfig

Was viele nicht ahnen: Die Hunde werden wie am Fliessband und unter schlimmsten Bedingungen in Massen gezüchtet. Die Welpen werden in finsteren Verschlägen, Kellern oder Schuppen unter katastrophalen Bedingungen produziert.

Oft herrscht Futterknappheit - es wird an allen Ecken und Enden gespart. Hygiene oder Gesundheitskontrollen existieren nicht. Eine Verbreitung von Krankheitserregern und Parasiten ist oft die Folge davon.

Im Alter von nur wenigen Wochen werden die Welpen viel zu früh von ihren Müttern getrennt und eingepfercht in Taschen oder Kisten in engen Kofferräumen ohne Futter, Wasser und Licht in die Abnahmeländer transportiert. Dies sind alles sehr traumatisierende Erlebnisse für die Welpen.

Wie werden die illegalen Welpen verkauft?

Die illegalen Welpen werden via Internet- oder in Zeitungsinseraten, meist unter falschen Angaben, angepriesen. Die Rassenvielfalt ist riesig, es gibt kaum eine Rasse mit welcher die Welpenhändler keinen Profit schlagen.

In den Inseraten ist oft von„familiärem Anschluss“ oder „liebevoller Aufzucht“ die Rede. Doch von beidem kann in den meisten Fällen keine Rede sein. Hinter solchen Angeboten verbirgt sich oft extremes Tierleid.

Die Welpen haben oft gar keine oder nur gefälschte Impfpässe. Selbst wenn die Welpen auf den ersten Blick halbwegs gesund wirken können, sind sie in der Regel gesundheitlich stark angeschlagen oder sogar krank. Nicht wenige sterben bereits nach ein paar Tagen oder Wochen in den Armen des neuen Hundebesitzers - trotz intensiver medizinischer Behandlung.

Was geschieht mit den Muttertieren?

Die Muttertiere werden ihr Leben lang in viel zu kleinen Käfigen gehalten und als reine Gebärmaschinen missbraucht. Ihr Leben ist geprägt von grossen körperlichen und seelischen Qualen. Durch den schlechten Umgang sind sie oft auch völlig verängstigt und eingeschüchtert.

Lebenslange Konsequenzen für die Welpen

Wer sich einmal seriös mit dem Thema Hund beschäftigt hat weiss, was für ein grosser Einfluss die Aufzucht eines Hundes auf sein späteres Leben hat. Hunde, die in solch katastrophalen Verhältnissen gezeugt, ausgetragen geboren und aufgezogen werden, erholen sich oft ein Leben lang nicht mehr davon.

Tierleid: Muttertier aus schlechter Haltung des illegalen Welpenhandels mit ihren Welpen. Trauriges Bild.

Zum einen sind diese Hunde sehr oft ihr Leben lang krank oder tragen sogar eine belastende Erbkrankheit mit sich herum. Andererseits leiden sie nicht selten unter grossen Verhaltensproblemen (Angst, Angst-Aggression usw.). Die Lebensqualität dieser Hunde ist oft massiv eingeschränkt. Unter diesen Umständen leidet nicht nur der Hund, sondern auch sein Besitzer.

Der Welpenhandel boomt besonders in der Vorweihnachtszeit

In der Vorweihnachtszeit werden besonders viele Welpen produziert, denn da steigt die Nachfrage nach lebenden Geschenken rapide an. Dabei sind Hunde als Geschenke gar nicht geeignet.

Also: Augen auf beim Hundekauf

Nun stellt sich die Frage, wie man sich davor schützen kann, auf der Suche nach einem Welpen in die Hände eines Welpenhändlers zu gelangen.

Von einem Welpenkauf im Internet wird abgeraten

In den letzten Jahren waren vor allem ein extrem niedriger Preis für einen Welpen und eine fehlerhafte Sprache eindeutige Indizien für unseriöse Anzeigen. Tierschutzorganisationen wie VIER PFOTEN haben durch intensive Kampagnenarbeit die Öffentlichkeit unter anderem vor genau diesen Indizien gewarnt.

Doch die raffinierten Welpendealer reagierten ebenfalls: Ihre Anzeigentexte sowie die - mittlerweile oftmals angehobenen Preise - lassen nicht mehr auf den ersten Blick erkennen, ob der Anbieter ein seriöser Verkäufer oder illegaler Händler ist.

Augen auf beim Hundekauf: illegale Welpenhändler kennen alle Tricks!

VIER PFOTEN rät daher grundsätzlich von einem Welpenkauf via Internet ab.

Einem Hund aus dem Tierheim eine zweite Chance geben

Wenn Sie sich nach reiflicher Überlegung für die Anschaffung eines Hundes oder eines anderen Heimtieres entschieden haben, schauen Sie sich bitte zunächst in Tierheimen um. Dort warten viele kleine und grosse Vierbeiner - auch Rassehunde - auf ein liebevolles Zuhause.

Entscheiden Sie sich für einen Züchter, beachten Sie bitte folgende Punkte:

  • Die Übergabe sollte nur beim Anbieter zu Hause stattfinden. Es ist wichtig, dass Sie die genaue Herkunft der Welpen kennen und ihre Geburtsstätte besichtigen dürfen. Wenn sich der Anbieter stattdessen irgendwo mit Ihnen treffen oder Ihnen den Welpen nach Hause bringen möchte, hat er sehr wahrscheinlich etwas zu verheimlichen. In diesem Fall sollten Sie vom Kauf absehen.
  • Sehen Sie sich die Elterntiere an, insbesondere das Muttertier. Für die Welpen ist der Kontakt zur Mutter und den Geschwistern überaus wichtig. Werden sie zu früh aus der Prägephase herausgerissen, leiden sie oft ein Leben lang darunter. Darum sollten Sie unbedingt darauf bestehen, das Muttertier zu sehen.

    Beobachten Sie kritisch, ob es sich bei dem Tier auch wirklich um die Mutter handelt. Hat sie Milch und lässt sie die Kleinen trinken? Oder zeigen die Welpen kein Interesse an der vermeintlichen Mutter? Denn nicht selten werden „Alibi-Mütter“ vorgeführt.  Oder vegetiert die Mutter in einer armseligen Behausung vor sich hin, oder macht sie einen kranken Eindruck? Kaufen Sie bitte keinen der Hunde und verständigen Sie nach Möglichkeit das zuständige Veterinäramt.

  • Bietet der Verkäufer eine sehr grosse Anzahl von Tieren oder sogar verschiedene Rassen an, sehen Sie bitte vom Kauf ab. Seriöse Züchter ziehen höchstens zwei Würfe pro Hündin in 24 Monaten auf.
  • Gemäss dem Schweizer Tierschutzgesetz dürfen Welpen frühestens im Alter von 56 Tagen (8 Wochen) von der Mutter getrennt, bzw. an die neuen Hundebesitzer abgegeben werden. Erst dann sind sie in ihrer Entwicklung so weit, dass sie von ihren Wurfgeschwistern und von der Mutter getrennt werden können. Versuchen Sie das Alter der Welpen richtig einzuschätzen.
  • Zeigt der Anbieter kein Interesse am weiteren Wohlergehen des Welpen, ist ebenfalls Vorsicht geboten. Ein verantwortungsvoller Züchter will sicher sein, dass es seinen Welpen in ihrem neuen Zuhause gut geht und er wird Ihnen darum viele Fragen stellen über Ihren Tagesablauf, Ihre Wohnsituation, Ihre Arbeitszeiten usw.

Wenn es sich bei dem Welpen um Ihren ersten Hund handeln sollte und Sie sich nicht sicher sind, ob Sie diese Punkte alle gut beurteilen können: nehmen Sie eine hundeerfahrene Person mit, die Ihnen hilft, die Situation richtig einzuschätzen.

 

Mehr Informationen rund um den illegalen Welpenhandel

VIER PFOTEN hat die Online-Plattform www.stopptwelpendealer.org ins Leben gerufen, die Informationen rund um den illegalen Welpenhandel sowie Tipps zur Anschaffung eines Hundes bietet.

Die Website bietet ausserdem ein Tool für Käufer von Hunden, die schlechte Erfahrungen oder verdächtige Beobachtungen gemacht haben und diese teilen möchten. Sie können mit VIER PFOTEN Kontakt aufnehmen und ihren Fall schildern.

Das Ziel der Organisation ist es, unseriösen Welpenhändlern einen Riegel vorzuschieben.

Illegale Welpen in Massenproduktion

Mit Hilfe Betroffener können die Recherchen weiter vertieft, Missstände aufgedeckt und den politischen Forderungen noch mehr Nachdruck verliehen werden.

Zwei grosse Bitten zum Schluss

  • Wenn Sie sich für einen Hund einer bestimmten Rasse entschieden haben und nicht ins Tierheim gehen möchten, nehmen Sie sich bitte Zeit und den Anbieter genau unter die Lupe.
  • Wenn Sie Freunde oder Bekannte haben, die vor der Anschaffung eines Hundes stehen: Bitte klären Sie diese über den illegalen Welpenhandel auf und helfen Sie mit, das kriminelle Geschäft zu beenden.

Fazit:

Der illegale Welpenhandel boomt und mit ihm die Qualen der armen Tiere. Mit dem Kauf eines solchen Welpen unterstützt man das  brutale Geschäft. Bitte informieren Sie sich daher immer umfangreich über die Herkunft eines Welpen und machen Sie sich vor Ort persönlich ein Bild von der Situation: Wenn Zweifel aufkommen, besser nicht kaufen, auch wenn der Welpe noch so niedlich ist und Sie Mitleid empfinden. Das illegale Geschäft mit den Welpen nimmt sonst nie ein Ende.

 

Weiterführende Links:

 

Dieser Fachbeitrag wurde geschrieben von VIER PFOTEN - Herzlichen Dank!

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Autoren

Franziska Hettmannsperger
Koordinatorin für internationale Medien bei VIER PFOTEN

Vier Pfoten Schweiz

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