Ab 2017 sind SKN-Kurse nicht mehr obligatorisch

Kein SKN mehr ab Januar 2017
Kategorie:
Hunde & das Gesetz

Nun ist es offiziell: ab 2017 gibt es die schweizweit obligatorischen SKN-Kurse nicht mehr. Die Kantone können aber auf ihrer Ebene weiterhin ein Ausbildungs-Obligatorium für Hundehalter und ihre Hunde verlangen. Hoffen wir, dass die Eigenverantwortung der Hundehalter durch die Sensibilisierung der SKN Kurse in den letzten Jahren zugenommen hat.

 

Nachdem das Parlament im September gegen den Erhalt des SKN-Obligatoriums entschieden hat, hat der Bundesrat an seiner Sitzung vom 23. November die Abschaffung definitiv beschlossen. Für diese Umsetzung musste die Tierschutzverordnung angepasst werden. Folglich gibt es ab 01.01.2017 kein SKN-Obligatorium mehr, wie das BLV in seiner Medienmitteilung vergangenen Mittwoch mitteilte.

In dieser Mitteilung wurde bewusst erwähnt, dass alle weiteren Tierschutzbestimmungen im Bereich der Hundehaltung weiterhin gelten: Sozialkontakt, Bewegung, Umgang, Unterkunft, Verantwortlichkeiten und Meldepflichten, etc.

 

Bundesrat erachtet freiwillige Hundekurse als sinnvoll

Zudem wurde betont, dass der Bundesrat freiwillige Hundekurse als sehr sinnvoll erachtet, vor allem für Personen, welche zum ersten Mal einen Hund halten. Man bedenke, dass der Bundesrat eigentlich an den obigatorischen Hundehalterkursen festhalten wollte... dann aber leider vom Stände- und Nationalrat überstimmt wurde - obwohl sich die Kommission des Nationalrates ebenfalls für den Erhalt der Kurse ausgesprochen hatte. Fest steht, dass die Kantone (wie der Kanton Zürich seit 2010) auf ihrer Ebene eigene Vorschriften in Sachen Ausbildung für "Hundehalter und ihre Hunde" erlassen können.

 

Ein Rückschritt für die Schweiz in Sachen Tierschutz & Prävention

Die SKN-Theoriekurse konnten zur Vermeidung von unüberlegten Hundekäufen (welche später im Tierheim landen), der Aufklärung rund um den illegalem Welpenhandel, unseriösen Vermehrern oder Hundehändlern etc. so viel beitragen. Zudem konnte der SKN Theoriekurs künftigen Hundehaltern aufzeigen, was zeitlich und auch finanziell auf sie zukommen kann, was sie über die Entwicklung (Sozialisierungsphase), Verhalten, Auslastung, Lernverhalten, Körpersprache, Ernährung, Gesundheit, Verhaltenskodex in der Öffentlichkeit usw. unbedingt wissen sollten.

Die guten SKN-Praxiskurse haben anschliessend auf diesem Wissen aufgebaut. Fragen wie "Wie kommuniziere ich mit meinem Hund", "Wie trainiere ich einen sicheren Rückruf?", "Wie lernt mein Hund das schöne Leinelaufen", "Wie verhalte ich mich in Situation X oder Y?", "Was verrät mir die Körpersprache meines Hundes?", "Welches sind die 4F (Konfliktstrategien) des Hundes?", "Wie verhalte ich mich in der Öffentlichkeit, auch gegenüber anderen Mensch-Hund-Teams korrekt?" usw. wurden eingehend besprochen. Für den Erwerb des Grundgehorsams wurden wichtige Übungen demonstriert und anschliessend unter geschultem Auge des Trainers geübt - was natürlich als Hausaufgabe auf die nächste Lektion vertieft werden musste.

So oder so ähnlich sind die guten SKN-Theorie- und Praxiskurse abgelaufen und haben in Sachen Prävention definitiv eine grosse Wirkung gezeigt. Nicht umsonst zeigte auch die Evaluation des BLV, dass die SKN-Ausbildung bei den kantonalen Veterinärbehörden sowie auch bei den HundehalterInnen auf ein überwiegend positives Echo gestossen ist.

 

Die negativen Stimmen

Aber ja, es gab sie, die "schlechten SKN-Kurse". Sei es, weil die Trainer nach völlig veralteten Methoden gearbeitet hatten oder weil die Gruppengrösse so gross war, dass man als Teilnehmer weder eine Frage stellen noch sonst irgendwie aktiv profitieren konnte. Es gibt bestimmt auch viele Hundehalter die zurecht sagen, dass ihnen ihr SKN-Kurs nicht viel gebracht hat. Genau hier lag unserer Meinung nach auch das grosse Problem: es gab zu grosse Abweichungen im Inhalt und zu grosse Unterschiede in der Qualität. Dies hätte man jedoch verbessern müssen, anstatt gleich das ganze System abzuschaffen bevor es seine Wirkung überhaupt entfalten konnte. Aber wie gesagt, nun ist es leider zu spät.

 

Was wird die Zukunft bringen?

Auch wir haben keine Kristallkugel. Doch wir können uns gut vorstellen, dass es nach der Abschaffung der SKN-Kurse wieder viel öfters zu unüberlegten Hundekäufen kommt - wohl besonders an Orten, wo man eigentlich gar keine Hunde kaufen sollte. Und, da die Verhaltensregeln für Hundehalter in der Öffentlichkeit nicht mehr jedem Hundehalter persönlich kommuniziert werden können, befürchten wir, dass sich das "Image von Hund und Halter" in der Öffentlichkeit langfristig verschlechtern wird. Was wir nicht hoffen, aber nicht ausschliessen können: dass es aufgrund von fehlendem Wissen (Sachkunde) der Hundehalter vermehrt zu Zwischenfällen oder gar Unfällen zwischen Mensch und Hund oder Hund und Hund kommen kann.

Und was dann? Was würde dann passieren? Es käme wieder zum grossen Aufschrei in den Medien - die Öffentlichkeit würde Massnahmen fordern. Aber welche?

Nach dieser Abschaffung würden bestimmt keine Kurse mehr eingeführt - und ohne Kurse kann man auch keine Kurse verschärfen. Es ist daher zu befürchten, dass es Gesetzesvorschläge regnen wird wie "Leinenpflicht für alle", "Maulkorbpflicht für alle grossen Rassen" oder es werden einfach noch mehr Hunde auf die "Liste der potentiell gefährlichen Hunde" gesetzt, teils Rassen ganz verboten usw. Das wären Massnahmen, welche alle Hunde und ihre Halter massiv einschränken und unglücklich machen - nur weil sich eine Minderheit falsch verhalten hat.

Da war doch der Präventions-Ansatz mit dem Ausbildungs-Obligatorium für alle viel fairer, oder?

 

Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt!

Hoffen wir, dass die Eigenverantwortung der Hundehalter auch ohne Obligatorium gross genug ist. Hoffen wir, dass sich Neuhundehalter vor dem Hundekauf umfangreich informieren, die wichtige Sozialisierungs-Phase ihrer Hunde nicht verpassen (dazu muss man aber wissen, dass es sie gibt) und gemeinsam mit dem Hund mindestens einen Kurs in einer guten Hundeschule besuchen, welcher über die Grunderziehung und die Kommunikation der Verhaltensregeln usw. auch noch sehr viel Spass macht.

Doch wir wissen, dass leider viele Hundehalter nie freiwillig eine Hundeschule besuchen würden. Darum hoffen wir, dass es auf den kantonalen Ebenen zu Ausbildungs-Vorschriften kommt, welche Prävention gross schreiben. Zum Wohle unserer Hunde und zum Wohle eines friedlichen Miteinanders von Mensch, Hund und Gesellschaft.

 

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